Lehrlingsausbildung einmal anders!
Der Europäische Rat, der Rat der EU, die Ständige Vertretung Österreichs bei der EU – Österreich und die NATO, das OÖ Verbindungsbüro etc. Begriffe die man teilweise schon gehört hat, mit denen man aber nicht sehr viel anfangen kann.
20 Schülerinnen und Schüler der BS Rohrbach machten sich mit ihren Lehrern, Barbara Hofer und Günther Gierlinger, am Ostersonntag auf um die EU zu erkunden und einen Blick hinter die Kulissen der Europäischen Institutionen und die österreichischen Vertretungen in Brüssel zu werfen.
Begonnen wurde der erweiterte Unterricht in Politischer Bildung mit dem Besuch in der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU. Dabei erkannten die Schüler, dass diese Vertretung der „Verlängerte Arm“ österreichischer Ministerien in Brüssel ist. Mittagessen in der Besucherkantine des Europäischen Parlaments sowie eine Führung im Parlament und einer Diskussion mit dem OÖ Abgeordneten Dr. Paul Rübig standen am Nachmittag auf dem Programm. Am nächsten Tag wurden beim Vortrag im Ratsgebäude die Aufgaben des Europäischen Rates (Treffen der Staats- und Regierungschefs) und des Rates der EU (=Ministerrat) sehr plakativ erklärt und die Unterschiede zwischen diesen Institutionen herausgearbeitet. Das anschließende Mittagessen in der Mitarbeiterkantine der NATO, mitten unter hohen Offizieren aller NATO Mitgliedsländer, war wohl eine besondere Erfahrung für alle Teilnehmer. Dass Österreich nicht mehr so neutral ist wie viele meinen, wurde beim Vortrag eines hochrangigen österreichischen Offiziers offenkundig. Mit einem Vortrag in der Europäischen Kommission über deren Aufgaben und Verantwortungsbereich wurde klar, dass die EU ein komplexer Apparat ist, der allerdings sehr stark von den Mitgliedsstaaten geprägt ist und nicht so sehr von abgehobenen Beamten regiert wird, wie oftmals behauptet. Besonders interessant war auch der Besuch im OÖ Verbindungsbüro, wo Dr. Gerald Lohnauer einen Einblick in seine Arbeit gewährte und erklärte, wie die Interessen des Landes OÖ und oberösterreichischer Firmen vertreten werden. Das Schlachtfeld von Waterloo ca. 20 km südlich von Brüssel, wo Kaiser Napoleon 1815 vernichtend geschlagen wurde, und ein riesiges Monument mit einer Aussichtsplattform und einem Museum, war die letzte Station dieser Bildungsreise.
Das eigentliche Problem der EU wurde bei der Fahrt von Waterloo zum Hotel sehr einleuchtend erklärt. Hr. Gierlinger verlangte von den 20 mitreisenden Schülern, dass sie sich einstimmig auf ein Menü zum Abendessen einigen sollten – er würde dazu ein passendes Restaurant suchen. Obwohl es zu Beginn viele verschiedene Vorschläge gab, konnte man sich nach einiger Zeit letztendlich doch auf ein Menü einigen mit dem alle einverstanden waren. Das Prinzip EU wurde so wahrscheinlich am Besten erklärt – viele Mitgliedsländer mit vielen verschiedenen Interessen sollen zu einer gemeinsamen Lösung kommen – das funktioniert nur, wenn man Kompromisse eingeht und nicht nur an sich denkt.
Dass in der Berufsschule Rohrbach ein sehr engagiertes Lehrerteam am Werk ist, beweisen weitere 3 Auslandsprojekte in diesem Schuljahr. Ein 3-wöchiges Sprachprojekt in England, ein Stand bei der Handelsmesse in Budweis, und ein einwöchiger Italienaufenthalt von Spar Lehrlingen, die sich über die Qualität und die Produktionsmethoden von Produkten informieren, die in ihren Regalen zu finden sind und die sie verkaufen.